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Drohender Kahlschlag bei Solar-Jobs in Ostdeutschland

Viele Jahre wurde die Solarindustrie in Deutschland mit aufwendigen Fördermitteln unterstützt. Sie sollte das Aushängeschild bei der Umstellung auf erneuerbare Energien werden. Viele sicher geglaubte Arbeitsplätze wurden damit vor allem in den neuen Bundesländern geschaffen. Doch die geplanten massiven Kürzungen der unentbehrlichen Förderungen werden jetzt für viele etablierte Solarfirmen den Ruin bedeuten.

Gerade in den strukturschwachen ostdeutschen Regionen ist die Solarindustrie ein wichtiger Hoffnungsträger geworden. Die Zukunftsbranche soll langfristig und nachhaltig für Wachstum und Beschäftigung sorgen. Neben den vielen Arbeitsplätzen in den Solarfabriken selbst, ist auch ein Großteil an neuen Jobs bei Zulieferern, im Handel und in den Handwerksbetrieben, die sich auf die Installation von Solaranlagen spezialisiert haben, geschaffen wurden. Und im Osten ist mit 90 Prozent der Anteil der Solarindustrie-Arbeitsplätze besonders stark etabliert – gemessen am Gesamtaufkommen in der Bundesrepublik. Bei einem Wegfall der Subventionen von 30 Prozent kann sich daher jeder an einer Hand abzählen, was das für eine ostdeutsche Jobkatastrophe nach sich zieht.

 

Jobs in der deutschen Solarindustrie
(Quelle: Europressedienst, Solarworld AG):

Sachsen: 3330
Thüringen: 3314
Brandenburg: 2713
Sachsen-Anhalt: 2409
Berlin: 694
Baden-Württemberg: 753
Bayern: 105
Niedersachsen: 84
Schleswig-Holstein: 35
Hamburg: 25
Rheinland-Pfalz: 25
gesamt Ostdeutschland: 10930
gesamt Westdeutschland: 1027

 

Die Solarwirtschaft ist somit eine der wenigen Vorzeigetechnologien in Ostdeutschland. Viele Firmen haben sich – vor allem auch mit Hilfe staatlicher Hilfen – dort angesiedelt. Zum Beispiel hat die BOSCH Solar Energie AG mit ihrem Hauptsitz in Erfurt fast 1700 Beschäftigte, die Solarmodule fertigen und große Projekte planen.

Deshalb will auch Christine Lieberknecht, die thüringische Ministerpräsidentin (CDU), auf keinen Fall die drastischen Kürzungen hinnehmen. Sie stemmt sich vehement gegen das Ansinnen ihrer eigenen Partei und droht der Bundesregierung gar mit einem Veto im Bundesrat, sollte es bei dieser Gesetzesvorlage so bleiben. Dabei kann sie voll auf die Unterstützung ihres Koalitionspartners vertrauen. Denn Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) sagt: „Die Solarindustrie ist für den Osten ein wichtiger Hochtechnologiesektor… Das ist unser Mercedes-Benz.“ und bezeichnet daher die Kürzung der Subventionen als „industriepolitischen Irrsinn“. Und damit steht Thüringen nicht alleine da. Auch Reiner Haseloff, der CDU-Landesherr von Sachen-Anhalt, fordert Änderungen.

Die Solarbranche hat auch zu Recht große Befürchtungen vor einem Niedergang. Denn ihr weht bereits ein scharfer Wind ins Gesicht. So musste bereits Q-Cells – mit 2500 Angestellten eines der größten Unternehmen in Bitterfeld-Wolfen – aufgrund hoher Schulden einen Zahlungsaufschub mit seinen Gläubigern aushandeln. Dessen Aktien befinden sich seit Monaten im Sinkflug, und Analysten gehen davon aus, dass Q-Cells schon bald aus dem TecDax verschwinden wird.

Selbst der Branchenprimus Solarworld AG hat in 2011 erstmals seit 2003 einen operativen Verlust zu verbuchen, den Firmenchef Frank Asbeck mit millionenschweren Abschreibungen durch den Preisverfall bei Solarmodulen begründet. Vor allem die billige Konkurrenz aus China ist dafür verantwortlich. Den ostdeutschen Solarherstellern sowie der gesamten Branche macht das immer mehr zu schaffen.

Auch das ist ein entscheidender Hauptgrund, warum die (ost-) deutsche Solarindustrie weiter am staatlichen Tropf hängen bleiben muss. Denn sonst ist sie der ebenfalls staatlich subventionierten chinesischen Konkurrenz hoffnungslos unterlegen, bei der zudem deutlich niedrigere Arbeitskosten anfallen.

 

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